Eine Kindergeschichte – Der Kleine Spatz Fritz
Der kleine Spatz packte gerade seinen Toaster in seinen roten Rucksack, wo er zuvor seine Sonnenblumenkerne zum Frühstück geröstet hatte und flog davon. Er tat das jeden Morgen, so lange im großen Feld der Sonnenblumen, noch Sonnenblumenkerne zu finden waren. Die große alte Eiche am Rand des Feldes diente ihm als Aussichtsplatz. Kennt Ihr Sonnenblumen? Die SONNENBLUME sieht wirklich aus wie eine SONNE. Die Blüte ist wie ein großer, runder Teller mit einem braunen Kreis in der Mitte. Dort reifen die Sonnenblumenkerne. Außen herum sortieren sich die gelben dicht beieinander gewachsenen Blütenblätter. Wisst Ihr auch, dass diese Blütenblätter tagsüber mit der Sonne wandern? Ihr Gesicht steht immer zur Sonne gewendet. Klar, die Sonnenblumenkerne sollen ja auch reifen. Der Stängel der Sonnenblume ist stattlich fast wie ein kleiner Stamm, der sie so auch bei heftigem Wind vor dem Umknicken schützt. Die Sonnenblume auf dem Feld ist eine hoch gewachsene Blume und ihr würdet euch wundern, wenn ihr euch daneben stellen würdet, wie groß sie wird. In einem Blumentopf gezogen, wäre sie entsprechend kleiner. Probiert es aus! Lucie hatte eine Idee: Sie wollte wissen, ob es wirklich ein Unterschied ist, wenn die Sonnenblumen im Garten wachsen oder im Blumentopf. Lucie hat die Sonnenblumenkerne erst auf einem Teller mit etwas Wasser keimen lassen. Dann hat sie die gekeimten Kerne in einen Blumentopf und an eine helle Stelle im Garten gepflanzt. Schaut, dass Ihr sie immer gut gießt und ihr einen sonnigen Platz besorgt! Wo waren wir stehengeblieben? Wir erzählten über die Aufteilung der Sonnenblume. Die Blüte, der Stängel und die großen Blätter, die eine sehr raue Oberfläche haben. Der Stamm ist auch sehr rau. Es ist keine Blume zum Pflücken, will sie euch damit sagen. Habt Ihr schon mal ein Sonnenblumenfeld betrachtet? Dieses GELB und das viele Grün, lässt einen vor Freude strahlen, wie wenn die Sonne scheint. Noch eine IDEE von Lucie: malt doch mal eine SONNENBLUME oder kostet SONNENBLUMENKERNE oder probiert einmal das SONNENBLUMENÖL, das aus Sonnenblumenkernen gemacht wird. Lucie kaut die Kerne schon zum Frühstück und Mama benutzt das Sonnenblumenöl in den Salat. Bauern, die ihrem Acker mal eine Pause gönnen wollen, weil sie ihn mehrere Jahre hinter einander mit Weizen gesät hatten, bepflanzen den Acker mit Sonnenblumen. Die Sonnenblumen machen die Erde wieder fruchtbar. SONNENBLUME besteht aus zwei anderen Worten: Sonne und Blume. Lucie malt gerne Blumen und hat viele Blumen im Garten. Wenn die Sonne scheint macht alles viel mehr Spaß. Jetzt erzähle ich weiter von FRITZ, der am Anfang gerade davon flog. FRITZ, der geröstete Sonnenblumenkerne gefrühstückt hatte, flog in Richtung Stadtrand, wo er mittlerweile bei Lucie auf dem Dach gelandet war. Wer ist Lucie, fragt ihr euch schon. Ein Mädchen. Sie lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter zusammen in einem alten Haus mit Garten, was Papa und Mama renoviert haben. Das haben sie natürlich nicht ganz alleine gemacht, ab und zu waren auch ein paar Handwerker da. Und natürlich hat Lucie leidenschaftlich gerne geholfen. Sie fand die große Baustelle ein Abenteuer, was ruhig noch länger hätte dauern können. Aus ihrem Zimmer heraus kann sie auf einen Balkon treten und genau da sitzt jetzt Fritz auf dem Dach. Morgens wartet Fritz schon auf Lucie an der Dachkante. Sie begrüßt ihn dann und redet mit ihm. Heute muss der Spatz erst Alarm piepsen bis endlich die auf beiden Augen verschlafene Lucie erscheint. „Guten Morgen, kleiner Spatz!“ erklingt die fröhliche Stimme von Lucie. Heute ist Montag. Ein Tag nach Sonntag. Am Sonntag kann Lucie ausschlafen so wie sie will. Nur heute ist Montag und auch ein Schultag. Schultag ist kein Wochentag, aber einer wo man und Lucie auch dort hin muss… in die Schule. Während wir solange erzählt haben, kommt Lucie schon eine Etage tiefer aus der Haustür, angezogen, Tasche umgehängt, Haare durch die Luft, eine Banane und eine Hand voll Sonnenblumenkerne dabei. Und los geht der Tag. Lucie ist auf alles gespannt, wenn sie erst mal aufgestanden ist. Sie hört noch die Mutter rufen: „ Viel Spaß bei allem bis wir uns wiedersehen!“ Und so hält es Lucie mit allen Dingen: viel Spaß haben.
Lucie war auf dem Weg zur Schule, zu Fuß. Es war zwar ein Stück zu gehen, jedoch in Begleitung von Fritz war es ein Spaß. Fritz war deshalb so zutraulich und manchmal anhänglich, weil Lucie ihm erst das Leben gerettet und ihn dann versorgt hatte bis er das wieder selbst konnte. Sie hatte ihn nicht eingesperrt, nur in einen Vogelkäfig mit Kuschelecke gelegt, ihn mit Wasser und Sonnenblumenkernen verwöhnt und viel bei ihm gesessen und gesprochen. So sind sie Freunde geworden und nun flog er von Ast zu Ast, erklomm den höchsten Punkt und sauste im Sturzflug auf Lucie hinunter, um in letzter Sekunde abzubiegen und an ihr vorbei zu sausen, dass ihre Haare hoch wirbelten. Lucie quietschte los und wollte es Fritz nachmachen, streckte die Arme aus und segelte dahin. Bis sie auf Julia, Max, Annabell und Phil trafen, die sich freuten Lucie zu sehen und gleich zu erzählen begannen. Es war Wochenende gewesen, jeder wollte zuerst den anderen von seinen Erlebnissen berichten, was ein helles Stimmengewirr ergab. Lucie blickte nach oben. Fritz hatte Platz genommen auf einem Autodach und drehte verwundert sein Köpfchen hin und her. Soviel Gespenst machten sonst nur die Spatzen, wenn einer von ihnen etwas Leckeres entdeckt hatte und die anderen dabei ihn. „Oder Lucie?“, hatte Max sie gerade an gestupst. Lucie hatte nicht zugehört. Max, Phil, Julia und Annabell unternahmen stets etwas am Wochenende, so wie Zirkus, Kino, Fahrradpark und einmal in der Woche gingen sie auch in einen Sportverein. Lucie machte immer gerade das, was ihr Spaß machte und war damit auch immer beschäftigt. Wenn die Kinder fragen kamen, ob Lucie raus kommt, bekamen sie Antworten wie, „sie spürt ein Geheimnis auf“ oder „sie lässt sich von Fritz zeigen, wo es die schönsten Sonnenblumen gibt“ oder „sie ist gerade in einer großen Malkonferenz“. Die Kinder fanden es dann schade, dass Lucie immer so beschäftigt war. Und Lucie wunderte sich, wo die Kinder die viele Zeit für all ihre Dinge her nahmen. Denn wenn die Mutter zum Abendessen rief oder es schon dunkel wurde, wollte Lucie nicht glauben, dass der Tag zu Ende ging. Max ging ganz nah an Lucies Ohr heran, „Max an Lucie, bitte antworten!“ Lucie zwinkerte Fritz zu, wendete sich zu Max um und sagte, „wir laufen um die Wette bis zu der großen Eiche da!“ Diese Einladung brauchte nicht wiederholt werden. Alle fünf Kinder rannten los egal, was gerade vorher noch so wichtig gewesen war, es den anderen zu erzählen. Und als sie bei der Eiche ankamen, piepste Fritz schon von oben, „Erster!“ Das allerdings hörte nur Lucie und musste laut lachen, weil kurz darauf Annabell anschlug und, „Erste!“ rief. Dann ertönte die Schulklingel, was so viel hieß: „Kommt rein, die Schule geht los!“ Die Kinder waren fast da. Fritz kannte diesen Ton auch, piepste einmal laut und flog davon.
Schule aus, gehen nach Haus! Schule war für Lucie etwas Notwendiges, um Schreiben, Lesen und Rechnen zu lernen. Nur zu wichtig sollte man sie nicht nehmen und schon gar nicht die Lehrer, die auch nur Menschen waren und so ihre Probleme hatten. Das hatte Lucie schnell spitz gekriegt und damit hatte sie schon eine Menge kapiert. Jetzt war erst mal wieder der Spaß an der Reihe, um sich von den Massen von gehörten Zahlen und Buchstaben zu neutralisieren, so sagte Lucie immer. Irgendwo hatte sie das Wort aufgeschnappt und es zu ihrem Wort in wichtigen Situationen gemacht. Das hatte sie bei Mama und Papa schon mit bekommen: wichtig klingende Worte in wichtigen Momenten zu sagen, hatte etwas Magisches und brachte Zeit, um zu überlegen oder zu erstaunen und damit die Situation zu entschärfen. Lucie hatte damit immer Erfolg, was so viel hieß, das ihr der Spaß nicht ausging. Da wären wir wieder: Spaß wollte Lucie heute mit Max, Phil, Julia und Annabell haben. Sie hatten sich in der großen Pause getroffen und verabredet, in die Schwimmhalle zu gehen. Für Lucie war das klasse. Mama fand es toll, wenn endlich mal ein Treffen mit den anderen klappte, da Lucie sonst immer so beschäftig war. Lucie konnte dort alleine hingehen und musste nicht auf eine Zeit warten bis es los ging. Sie hatten unter einander gesagt: „Heute Nachmittag!“ Und der fing bekanntlich nach dem Mittagessen an und ging bis es die alten Frauen von ihrer Schwimmbahn aus dem Wasser der Schwimmhalle drängte, um sich in die Cafeteria zu setzen und ihr wohl verdientes Stück Torte zu bestellen. Dann hatte Lucie Zeit einige Bahnen, um die Wette mit den anderen zu schwimmen. Erstens hatten sie jetzt die Bahn allein und zweitens wollte Annabell ihre Schnellschwimmkunst zeigen nachdem sie in den letzten Ferien mit ihren Eltern in einer Schwimmschule ihre Zeit verbracht hatte. Wenn Lucie danach hinsah, waren die alten Frauen beim Gehen oder verschwanden gerade in der Umkleidekabine. Dann war es auch Zeit für Lucie zu gehen. Lucie hatte eine Uhr, nicht aber im Schwimmbad um. Außerdem orientierte sie sich gerne an immer wiederkehrenden Dingen, die sie beobachtete und gegebenenfalls korrigierte. Einmal nämlich waren nicht alle alten Frauen in ihrer Schwimmbahn gewesen und nach dem Hinaussteigen waren sie gleich in die Umkleidekabine gegangen. Da wusste Lucie, dass sie heute auch bald gehen würde. Sie sagte Max, Annabell, Phil und Julia tschüss und verschwand in der Umkleidekabine. Sie hätte sich auch an der großen Uhr der Schwimmhalle orientieren können, aber zweimal hatte die die falsche Zeit angezeigt und das war für Lucie zweimal zu viel. Orientieren und korrigieren sind zwei weitere wichtige Worte in Lucies Wortschatz. Und sie betrachtet diese und Worte überhaupt als ihren Schatz. Sie kann diese wichtigen Worte einsetzen und kann Dinge herbei führen, die die Situation ganz anders werden lassen als erst gedacht. Das ist wie zaubern. Oder in dem Lucie nicht so viele Worte verwendet wie nötig oder fast nichts sagt, kann sie ebenfalls Situationen beeinflussen. Dieses hat sie nicht in der Schule gelernt, aber der Einsatz dieses Zaubers hat ihr auch da schon geholfen. Sie freut sich darauf, mehr von diesen Zauberwörtern zu sammeln.
Als Lucie Zuhause ankam, öffnete die Mutter die Haustür und lachte sie herausfordernd an. Lucie kannte das. Sie sollte Mama jetzt fragen, warum sie so lacht und dann würde Mama sagen, „ wieso?“ mit so einem lang gezogenem Unterton und Lucie würde fragen, „du hast doch was?“ Es war ein Spiel. Ein Mama-Lucie-Spiel. Manchmal spielten sie solange Frage-Antwort bis sie gar nicht mehr wussten warum oder sie so sehr lachen mussten und sich kitzelten, dass sie dann schlapp waren und sich erst mal ausruhen mussten. Aber nie wirklich vergaßen sie, das wisst ihr, warum sie spielten. Und dann kam Mama immer mit etwas Besonderem daher. Heute hatte Lucie Lust auf eine Änderung des Spiels. Sie kam herein und tat so als hätte sie Mamas Lachen nicht gesehen. Mama war schlau. Sie durchschaute Lucie und ignorierte ebenfalls, dass sie nichts gefragt hatte. Man könnte denken, dass jetzt keiner mehr Lust hatte, weil beide sich durchschaut hatten. Nicht so bei Lucie und Mama. Das machte die Spannung auf Mamas Überraschung nur noch größer. Mama liebte es, mit Lucie so schlau zu reden. Und Lucie liebte Überraschungen ihrer Mama, aber am meisten machte das Spiel vorneweg Spaß. Lucie überlegte, was Mama für eine Überraschung haben könnte. Mama war inzwischen in die Küche gegangen, um den Salat mit Sonnenblumenkernen zu bestreuen und ihn zu würzen. Sie wusste Lucie würde nach dem Hände waschen auch in die Küche kommen. Lucie war heute in ihre Gedanken vertieft und als sie Mama beim Sonnenblumenkern streuen sah, griff sie sich eine Hand voll und hielt durch die Tür von der Küche aus auf die Terrasse davor gehend Ausschau nach Fritz. „Juhu Fritz, kleiner Spatz!“, rief sie. Lucie hielt die Hand mit den Sonnenblumenkernen ausgestreckt und wartete. Fritz hatte Lucie schon entdeckt, aber auch er spielte mit ihr und wartete während er lauthals piepste. Lucie machte nichts. Sie wartete. Gerade rief Mama zum Essen. Da war Lucie abgelenkt, schaute zu Mama, um ihr zu antworten. In diesem Moment kam Fritz superschnell angeflogen und pickte ein SB-Kernchen aus ihrer Hand und weg war er. „Schlauer Spatz!“, dachte Lucie und musste lachen. Dabei fiel ihr Mamas Lachen wieder ein. Als sie an den Tisch kam, sich setzte, schaute sie Mama grinsend an und fragte, „warum lachst du nicht mehr?“ Mama sah hoch vom Salat essen und sagte: „du hast mich ignoriert, jetzt habe ich Hunger!“ Ignoriert… ein wichtiges Wort. Lucie kannte es noch nicht und wollte wissen, was es bedeutet. Mama konnte erklären, ohne zu erklären. Lucie fand also selbst heraus, was es bedeutet und wandte es gleich an, „du hast mich auch ignoriert, nachdem ich nicht gefragt habe, warum du so lachst.“ „Stimmt!“, sagte Mama. „Das war das Spiel!“ „Ich weiß, reingefallen!“, jauchzte Lucie über ihren Triumph. Jetzt mussten beide los prusten und aufpassen, dass der Salat oder Einzelteile davon nicht dem anderem entgegen flogen. „Ignorieren“, sagte Lucie. Sie hatte die Bedeutung verstanden. Und damit hatte Lucie wieder ein wichtiges Wort neu in ihrem Wortschatz.
Nach dem Mittagessen begann der Nachmittag. Lucie verschwand gerade in ihr Zimmer als das Telefon klingelte und sie die Mutter sagen hörte, „ am Nachmittag…“ Das führte bei Lucie dazu, dass sie an Julia, Phil, Annabell und Max dachte und ihre Schwimmverabredung. Lucie freute sich, packte ihre Sachen und ging nach unten, um noch etwas zum Essen für danach einzupacken. Sonnenblumenkerne, ist doch klar. Die isst sie mindestens so gerne wie Fritz. Fritz, wo war der eigentlich? Vor dem Mittagessen hatte er nur einen Kern abbekommen und dann… Er hatte spielen wollen, Sonnenblumenkerne jagen, aber Lucie war hineingegangen. Jetzt ging sie die Sonnenblumenkerne naschend nach draußen. Es roch gut, so nach Erde, nach frischer Luft, und es war ruhig hier. Lucie mochte ihren Garten, in dem alles fleuchen und kreuchen konnte wie es wollte. Es gab Bäume, Sträucher und Blumen, die schon vor ihnen da gewesen waren und Tontöpfe mit Pflanzen und Blumen, die erst Mama, Lucie und Papa gepflanzt hatten. Und es gab Gras, auf dem es sich toll spielen oder faulenzen ließ. Lucie setzte sich ins Gras und hielt ihren Arm ausgestreckt, um Fritz anzulocken. Es dauerte ein bisschen, obwohl Lucie immer wieder rief. War er beleidigt? Nein, aber vielleicht war er unterwegs so wie es Lucie eigentlich sein wollte. Sie hatte die Sonnenblumenkerne schon fast alle aufgegessen, als er endlich kam. Er sauste kreuz und quer durch den Garten, als wollte er Lucie eine Flugschau vorführen und stets knapp an ihr vorbei, so dass Lucie quietschte vor Freude. Dann landete er auf dem Dach über Lucies Balkon und beäugte Lucie mit wackelndem Kopf. Lucie rief ihn, „Komm, Fritz!“ Da flog er genau auf sie zu, hockte sich auf ihre Hand und pickte. Gerade in diesem Augenblick trat Lucies Mutter an die große Fensterscheibe vom Wohnzimmer und sah Lucie im Gras mit Fritz auf der Hand sitzen. Das machte ihr ein schönes Gefühl. Sie wusste Lucie war so mit sich selbst zufrieden, dass noch etwas zu ihr rüberschwappte, was sie jetzt lächeln ließ und danke sagen für diesen Moment. Fritz hüpfte ins Gras und pickte dort weiter. Lucie fand es toll, bei Fritz zu sitzen. So ein kleiner Vogel, so gewandt im Fliegen, so schnell im Ausweichen, geschickt im Picken und anpassungsfähig bei der Nahrungsauswahl, so flink und doch immer auch an seine Mitspatzen denkend. Denn, wenn einer etwas entdeckt hatte, rief er die anderen. Die anderen…, ob Max, Annabell, Julia und Phil schon in der Schwimmhalle waren? In diesem Augenblick erhob sich Fritz und flog auf die Dachziegel oberhalb des Balkons. Als hätte er Lucies Gedanken erraten, ihn nicht allein zu lassen. Nun machte sich Lucie auf den Weg ins Schwimmbad. Vorher wollte sie noch Mama tschüss sagen und da stand es… Was glaubt ihr? Es war die Überraschung, genau. Wieso hatte Mama sie einfach dahin gestellt, ohne zu spielen? Oder war es gar nicht die Überraschung für Lucie? Oder dachte Mama, dass Lucie schon zum Schwimmen war und wollte hinterher mit ihr spielen? Vielleicht sogar mit Papa zusammen, der das auch konnte, aber sonst eher es mit Mama spielte. Lucie horchte ins Haus. Es war still. Aber wenn Mama am Schreibtisch saß, konnte man das nicht hören. Was sollte Lucie tun? Sie dachte an ihre Verabredung… der Nachmittag war ja lang. Sie spähte durch die offene Terrassentür der Küche und rief ihrer Mutter zu, ohne auf Antwort zu warten, „ Mama, ich gehe jetzt schwimmen!“ So lief sie durch den verwachsenen Garten hinaus durch die kleine Pforte am Ende, die zu dem schmalen Weg führte, der dann seitlich in den Fußgängerweg mündete. Von da aus hatte sie noch einen längeren Weg vor sich. Die Schwimmhalle lag, von Lucies Haus aus betrachtet, noch hinter der Schule. Lucie kam dabei an noch mehr alten renovierten und neu gebauten Häusern vorbei. Jedes der Häuser hatte etwas Eigenes, was Lucie gut gefiel. Sie hatte den Häusern Namen gegeben, so als hätte jedes ein Gesicht. Beim dahin Gehen und vor sich Hin erzählen merkte Lucie erst an der Schule wie weit sie schon war. Die viel kleineren Häuschen hinter der Schule auf die Schwimmhalle zu erinnerten Lucie an Puppenstubenhäuschen im Vergleich zu denen davor. Fenster, Türen und Vorgärten waren viel kleiner. Vor der Schwimmhalle angekommen war ein kleiner Parkplatz mit wenigen Autos davor. Den überquerte Lucie und ging hinein. Die Schwimmhalle sollte schon ein paarmal abgerissen werden, aber alle hatten sich kräftig gewehrt. Sie ist das Einzige hier in dem Vorort, was man als Freizeitbeschäftigung bezeichnen kann. Das Tolle ist, dass auch alle sie nutzen: Kinder, Erwachsene und die alten Menschen zum Schwimmen und Sport treiben. Lucies Vater spielt zweimal die Woche Wasserball mit anderen Männern und Vätern. Und Mama geht auch zweimal in der Woche zum Schwimmen und Saunen. Natürlich gibt es hier noch viel mehr, was man machen kann, aber das hängt von jedem selbst ab. Man kann toll Rad fahren, herumtoben im Wald, in der Nähe sind Felder und Bauernhöfe, die sich freuen, wenn man gucken kommt oder hilft. Wir Kinder treffen uns irgendwo und springen Seil, spielen verstecken oder fangen. Irgendwas fällt uns immer ein. Oder wir bauen uns Baumhäuser im Wald, auch in unseren Gärten und übernachten dann da mal. Also andere städtische Einrichtungen brauchen wir nicht, aber das alte, gut instandgehaltene Schwimmbad das nimmt uns keiner, sagt Papa immer. Einmal wollte ein Vater, dass ein richtiger Spielplatz entsteht und ein Fahrrad-Parcours. Da haben wir seine Kinder nachmittags immer abgeholt und ihnen gezeigt, warum wir das nicht brauchen. Es dauerte gar nicht lange da hatte er das auch eingesehen und von seiner Idee haben wir nichts mehr gehört. In der Schwimmhalle gibt es einen Pförtner, einen Bademeister und eine alte Frau Oma Lore, die mit ihrer Tochter Fanny alles sauber hält. Lucie und Oma Lore sind echte Freunde. Oma Lores Sandkuchen ist spitze. Und seit es Oma mal so schlecht ging und der Arzt gesagt hatte, sie muss ihre Ernährung umstellen, hatte Lucie gleich Sonnenblumenkerne parat, die Oma Lore sofort schmeckten. Dann hatte Lucie sie öfter zu sich nach Hause zum Essen eingeladen und so hatte sie mit der Zeit gelernt wie sie gesünder essen konnte. Das Beste ist, dass Oma Lore wieder ganz gesund ist und sich so fit wie nie fühlt. Der Pförtner kannte seine Stammkunden, war er doch fast so alt wie die Halle selbst. Eigentlich kannte er alle, die die oft, die die nur einmal im Monat, aber auch die die noch seltener kamen. Er winkte Lucie zu und sie lächelte ihn mit: „Hallo, Opa Janson!“ an. Er war ein toller Typ, fand Lucie. Und das Opa hörte er gar nicht so gerne. Er war zwar schon, na ja, 80 Jahre, aber hatte immer einen flotten Spruch für jeden auf Lager, war schlank und gut gebaut wie Lucie immer zu Papa sagte. Er hatte stets ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, was ihn so jung aussehen ließ. Er hatte keine Kinder, dafür hat er sich keine Zeit genommen, hatte er Lucie beim Fischen erzählt. Ab und zu nahm Janson sie mit zu einem See in der Nähe, wo er ein Holzboot hatte, mit dem sie hinaus paddelten. Aber Janson fand Kinder klasse und die Kinder ihn. Egal was die Kinder, ob die jüngeren oder die schon älteren, machten, anstellten oder scherzten, Janson wusste immer richtig zu reagieren oder nicht. Auch das hatte dann keine Folgen mehr. Lucie ging in die Umkleidekabinen und beeilte sich. Jetzt, wo ihr der Duft des Bades in die Nase gestiegen war, konnte sie es gar nicht mehr erwarten, ins Wasser zu kommen. Mit Taucherbrille und Badekappe erschien Lucie auf der Bildfläche. Sie hielt Ausschau nach Max, Annabell, Phil und Julia. Ganz zufällig sah sie wie eine der alten Frauen aus dem Wasser stieg. Als sie dann geradewegs an Lucie vorbei ging, rutschte es ihr heraus: „Wo sind denn ihre Freundinnen?“ Die alte Frau ging noch ein Stück weiter, als hätte sie die Frage nicht gehört. Dann blieb sie stehen und drehte sich um: „Wir haben uns gestritten.“ Sie kam zurück und fragte: „Woher weißt du von meinen Freundinnen?“ Lucie schaute verdutzt. Die alte Frau sah traurig aus und Lucie stellte noch eine Frage: „Bist du traurig deswegen?“ Die alte Frau fragte ebenfalls: „Wie heißt du?“ Also irgendwie war das kein befriedigendes Gespräch. „ ich heiße Lucie, und du?“ „Linde und ich bin traurig, wegen dem blöden Streit mit meinen Freundinnen.“ Linde fing, glaube ich, an zu weinen, aber weil sowieso alles nass war an ihr, konnte man das nicht so genau sehen. Lucie fragte Linde jetzt, ob sie zusammen schwimmen und tauchen wollten. „Aber tauchen habe ich noch nie gemacht und eigentlich wollte ich jetzt gehen.“ „Warte!“, sagte Lucie und rannte zu Herrn Gutmeister, dem Bademeister. Sie kam zurück mit einer Taucherbrille in der Hand, nahm Linde am Arm und zog sie mit sich. Linde war irgendwie überrumpelt und gleichsam verspürte sie so was wie Lust. Wie Lucie, die immer gespannt war, was passieren könnte. Lucie fand, dass Linde eine begabte Taucherin war. Sie hatte die Brille aufgesetzt und war mit Lucie direkt ins Becken gesprungen. Dann waren sie unter Wasser herum geschwommen und hatten sich Zeichen gegeben, um noch tiefer zu tauchen. Sie sind um die Wette getaucht, sind nach Zeit getaucht und haben Ringe absinken lassen, die sie wieder hoch holen mussten. Ihre Ideen waren viele und so verging die Zeit. Da Lucie sich nicht an den alten Frauen orientieren konnte, fragte sie den Bademeister nach der Uhrzeit. In diesem Moment kamen Max und Julia auf sie zu. Lucie freute sich, „Klasse, dass ihr kommt, wo sind die anderen?“ Max antwortete etwas grimmig: „Hast du deine Hausaufgaben schon fertig?“ Lucie fand dieses sich ewig über die Hausaufgaben beschweren Energieverschwendung und konterte: „Alles zu meiner Zeit!“ Dann drehte sie sich um und rannte in Richtung Schwimmbecken, wo Linde plantschte. „Ich will euch Linde vorstellen!“, rief sie. Die Kinder schauten komisch als sie Linde sahen. Lucie schlug vor, eine Bahn um die Wette zu schwimmen, was sofort akzeptiert war und da der Bademeister bei seiner Runde gerade vorbei kam, gab er das Startzeichen. Jeder lag mal vorn, aber keiner konnte sich absetzen. Ganz zum Schluss machte Linde das Rennen, wenn auch knapp, aber sie war erste. Max und Julia konnten es nicht glauben, aber als Lucie in die Hände klatschte und lachend rief: „Was so eine richtige Weltmeisterin ist!“ Da war das Eis gebrochen und alle lachten und versuchten sich, gegenseitig unter zu gluckern. Danach waren die vier erst mal aus der Puste. Linde lud Max, Julia und Lucie auf eine Tasse Kakao in die Cafeteria ein. „Angenommen!“, grinste Max. Lucie nahm Julia an die Hand, klatschte Max auf die Schulter und sagte: „wir sind auch dabei!“ Die vier kamen so gut ins Gespräch und hatten zu lachen, dass die Zeit nur so verging. Max schaute plötzlich auf seine neue Uhr und gab bekannt, dass es schon spät war. Er musste gehen. So entschieden Julia, Lucie und Linde, sich auch auf den Heimweg zu machen. Draußen war es schon recht dämmrig. Sie hatten ja sowieso noch die gleiche Richtung. Linde wurde von links von Lucie und von rechts von Julia eingehakt. Das tat nicht nur Linde gut, sondern auch Julia, die es genoss so was wie eine Oma zu haben und Lucie strahlte, weil vorhin Linde noch ganz traurig gewesen war und Julia hatte angestrengt gewirkt. Lucies Motto war Spaß haben. Und es hatte geklappt, denn sie hatten Spaß gehabt und jetzt ging es allen gut. Linde erzählte noch ein paar Witze auf dem Heimweg, so dass sie Julias Haus recht bald erreicht hatten. Eine große Umarmung für Linde und die nächste Verabredung zum Schwimmen gab es jetzt. Dann gingen Lucie und Linde gemeinsam weiter zu Lucie. Sie hatten sich eingehakt und sprachen kaum. Jeder genoss die Stille und gleichzeitig die Fülle des schönen Nachmittags. Diesmal kam Lucie vorne an ihrer Haustür an. „ Willst du noch zum Abendessen bleiben?“, hörte Lucie sich schon fragen, obwohl sie gerade erst den Gedanken gehabt hatte. „Komm wir gehen hinten herum!“, sagte Lucie. Linde folgte ihr. Vom Garten aus konnten sie sehen, welche Fenster beleuchtet waren und wo gerade ihre Eltern sich befanden. Lucie machte es Spaß, die Eltern zwar zu sehen, aber sie nicht hören zu können. Sie stellte sich dann selbst vor, was sie wohl sagten. Linde spielte den Vater und Lucie ihre Mutter. Sie sagten lustige Sachen und mussten dann so lachen, dass sie nicht mehr aufpassten, was im Haus geschah. Als sie sich wieder beruhigt hatten, waren einige Lichter aus und die Eltern waren nicht mehr zu sehen. Linde und Lucie warteten. Linde fragte: „Sind sie zu Bett gegangen?“ Lucie darauf: „ Ist es schon so spät?“ „Nein!“, antwortete Linde mit einem Blick auf die Uhr. „Sie sind weg… weggegangen“, meinte Lucie in sich gekehrt. Linde stellte dann, glaube ich, zwei oder drei Fragen nacheinander, wieso, warum, weshalb? Lucie wusste keine Antwort. Aber dann sprach ihre innere Stimme zu ihr, die ihr versicherte, dass alles gut ist und sie sich auf ihre Eltern verlassen konnte. Lucie wusste jetzt, was zu tun war. „Mit dem Abendessen wird es heute nichts“, sagte sie spontan und schob Linde nach vorne, um sie zu verabschieden. „Was mache ich denn jetzt?“ und Linde wirkte bei der Frage unsicher. Lucie grinste und gab zur Antwort: „ Linde, wenn ich das gefragt hätte, aber du! „ Denk an den schönen Nachmittag, dann fällt dir bestimmt was für den Abend ein!“ „ Du hast recht!“, gab Linde zu. „Tschüüüss!“, winkte Lucie, drehte auf dem Absatz um und rannte nach hinten in den Garten. Da waren wieder die Lichter und auch Mama war wieder, am Fenster zu sehen. Zauberei! Mama öffnete gerade die Terrassentür und lachte Lucie entgegen. Lucie rannte auf Mama zu direkt in ihre Arme. „Na endlich bist du da! War schwimmen heute so toll?“, begrüßte Mama Lucie. „Ja, wir hatten eine Menge Spaß! Und ich habe Linde kennengelernt und ihr beinahe auch, wenn ihr da nicht plötzlich weg gewesen wärt.“ „Na dann, komm mal herein und wir erzählen beim Essen, Papa wartet schon“, antwortete Mama. Mama und Papa hatten mit Lucie verstecken gespielt, weil sie ihre Stimme draußen gehört hatten. Sie hatten nicht vermutet, dass Lucie jemanden dabei hatte. Und Lucie saß jetzt mit Mama und Papa am Tisch und genoss das Abendessen und die schöne Stimmung zwischen ihnen. Da fiel ihr Blick auf das Paket, das noch immer dort stand, wo es vor dem Schwimmen gestanden hatte. Lucie wollte fragen oder doch nicht? Sie war schon neugierig. Lucie musste immer wieder zu dem Paket hinschauen, was Mama auffiel und sie sagte am Ende des Abendessens: „ Wie wäre es, wenn du das Paket öffnest?“ „Einfach so?“, staunte Lucie. „Wieso, sagte Mama, „wir haben doch heute Mittag schon gespielt und hatten unseren Spaß!“ „Stimmt, dann bin ich jetzt echt gespannt mit was du mich überraschst?“ „ Ich auch!“, fügte Papa hinzu. Lucie kniete sich vor das Paket und schaute, wo sie den Anfang machen konnte. Es war einfach, sie brauchte nur die Klappe hoch heben. „Wau, ein Puppenhaus!“ Papa half ihr den Karton ganz weg zu nehmen. „Es sieht wunderschön aus!“, staunte Lucie. Lucie hockte noch immer davor und schaute von allen Seiten und alle Kleinigkeiten genau an. Papa staunte genauso. Mama saß auf ihrem Stuhl am Tisch und beobachtete die Beiden mit großer Freude. Es war ein altes Puppenhaus mit Schnörkeln, kleinen Türen mit goldenen Klinken, pompösen Gardinen, kleinen Teppichen und malerischen Tapeten und einem Dachboden und einem Schornstein. Lucie hatte sich immer ein Puppenhaus gewünscht, nie ein Bestimmtes, aber dieses übertraf alle ihre Vorstellungen. Es war ein Puppenhaus, was Lucies Fantasie nur so rauschen ließ. Papa brachte es mit Lucie in ihr Zimmer und als er wieder herunter kam, fragte er beeindruckt, „Wau, wo hast du so ein tolles Puppenhaus gefunden?“ Mama war stolz, dass es beiden so gefiel. Lucie lag auf ihrem Bett und schaute auf das auf einem Stuhl stehenden Puppenhaus. Ihr Blick ging durch jedes Zimmer, öffnete die Türen, stieg die Treppe hinauf, schaute sich in der ersten Etage um und stieg weiter hinauf zum Dachboden, wo sie in Gedanken das kleine Dachfenster öffnete und in den Sternenhimmel träumte. Dabei schlief sie ein.
Am nächsten Morgen nahm Lucie Mama in den Arm und sagte: „Das Puppenhaus ist so schön und geheimnisvoll, danke Mama!“ „Haben wir noch einen kleinen Tisch in der Garage?“ „Wir können nachsehen, sonst lassen wir uns etwas einfallen!“, antwortete Mama. Lucie griff nach ihren Sonnenblumenkernen und pfiff vor sich hin während sie durch die Haustür verschwand. „Viel Spaß bis wir uns wiedersehen!“, rief Mama. Lucie hopste winkend umkreist von Fritz davon. Heute war Dienstag und ein weiterer Schultag. Auf dem Weg dahin hopste Lucie freudig mit Fritz und dachte an ihr Puppenhaus. Ob Fritz auch das Puppenhaus anschauen wollte, dachte Lucie. Warum nicht. Wenn sie von der Schule zurück ist, dann holt sie es auf den Balkon und Fritz kann es sich anschauen. Der Vormittag verging schnell. Schnell auch deswegen, weil Lucie sich auf ihre Idee freute und weil sie es immer so nahm wie es gerade war. Schule war Schule. Sie gehörte dazu wie freie Zeit. Außerdem traf sie in der Schule Freunde, nette Lehrer und es gab auch immer etwas Neues. Heute freute sie sich sehr auf ihren Balkon und das Puppenhaus mit Fritz zu teilen. Immer wenn ihr der Gedanke daran in den Kopf kam, durchfuhr sie ein Kribbeln. Ein Kribbeln vor Spannung, dass man ihr das sogar im Gesicht ansehen konnte, weil sie vor Freude lächelte. Nun war es endlich soweit, sie war zuhause. Mama bereitete noch das Mittagessen. In der Zeit konnte Lucie ihr Puppenhaus auf den Balkon stellen, wo Fritz schon auf der Dachkante wartete. Es war gar nicht so einfach. Das Puppenhaus war sperrig und nicht ganz leicht. Lucie zog es auf ihrem Rollwagen, der die gleiche Höhe wie der Stuhl hatte und rollte es bis zur Balkontür. Dann ließ sie es auf dem angelegten Regalbrett wie auf einer Rampe herunter rutschen. Fritz beobachtete sie aufmerksam. Lucie legte Sonnenblumenkerne in die Eingangshalle des Puppenhauses und auch oben in das Dachgeschoss. Anschließend legte sie sich daneben und kaute selbst Sonnenblumenkerne. Sie rief jetzt Fritz. Er kam sofort neugierig angeflogen. Was glaubt ihr, wo saß er? Natürlich oben im Dach und pickte Sonnenblumenkerne. Lucie fand Fritz mutig. Da kam ihr eine Idee. Eine großartige Idee wie sie fand. Sie beschloss Mama und Papa beim Abendessen davon zu erzählen. Als Mama zum Mittagessen rief, hatte Fritz es sich bequem gemacht und Lucie war eingeschlafen. Mama beschloss das Essen warm zu stellen und später mit Papa und Lucie zu essen. Der Nachmittag war so dahin geschmolzen. Lucie hatte auf dem Balkon ihre Hausaufgaben gemacht während Fritz ihr mal im Puppenhaus sitzend, mal oben drauf Gesellschaft geleistet hatte. Das Mittagessen hatte sie ganz vergessen. Auch Mama war so beschäftigt sitzend an ihrem Schreibtisch, dass sie erstaunt aufschaute als Papa die Haustür aufschloss. Es gab Mittagessen zum Abend, was Mama auf einem Tablett hoch auf den Balkon brachte, wo Papa und Lucie saßen. Da erzählte Lucie ihnen von ihrer Idee, das Puppenhaus im Garten an einem Baum zu befestigen, dass Fritz es als Vogel-Haus für seine Familie bekommen sollte. Papa fand die Idee klasse. Mama wusste nicht was sie fand. Sie war still und hörte Lucie bei ihren Ausführungen zu. Nach dem Mittagabendessen gingen Lucie und Papa in den Garten, um einen Baum auszusuchen. Das Puppenhaus musste in der richtigen Höhe und zur richtigen Seite angebracht werden, dass Fritz es geschützt und gemütlich hatte. Lucie hatte an alles gedacht. Papa wollte sich überlegen, wie er das Puppenhaus dort im Baum anbringen konnte. Den nächsten Nachmittag hatten Lucie und Papa die Materialbesorgungen gemacht und anschließend im Garten begonnen. Fritz war immer um sie herum. Man hätte meinen können, dass er wusste, was ihm bevor stand. Lucie fand das Puppenhaus wunderschön. Nur hätte Lucie wohl nicht mehr mit Puppen darin gespielt und im Garten konnte sie es von ihrem Balkon und vom Gras aus beobachten. Das Tollste war, dass Fritz seine kleine Familie darin gründen konnte. Lucie war sich ganz sicher. Bald baute Fritz mit einem Spatzenweibchen ein Nest im Dachgeschoss. Und kurz darauf baute ein anderes Spatzenpaar ebenfalls ein Nest im Wohnzimmer. Lucie fand diese Neuigkeiten sensationell. Es war eine Riesenfreude zu sehen, wie das alles vor sich ging bis dann die Kleinen schlüpften. Auch diese Kleinen kamen in den Genuss von Sonnenblumenkernen.

